Samstag, 24. Januar 2015

Ordensgewand statt Tafel und Kreide - Frater Korbinian König

Eine für einen jungen Mann eher ungewöhnliche Biographie: Korbinian König lebt im Kloster. Seinen Traum Lehrer zu werden, gab er für ein Leben im Prämonstratenserorden Speinshart auf. Uns erzählt er über seine Entscheidungsfindung, Anforderungen und Schwierigkeiten im Alltag eines Geistlichen und seine Einstellung zum Glauben. 



Seit wann lebst du im Kloster? Wann war der entscheidende Moment, in dem du wusstest, dass ein Leben als Geistlicher für dich das Richtige ist?

Der Prozess für diese Entscheidung war natürlich ein schleichender. Zunächst war es so, dass ich nach der Hauptschule keine Lehrstelle fand und auf der Suche nach etwas Passendem eine Anzeige für das Spätberufenen-Seminar Fockenfeld (Anm.: Das Spätberufenen-Seminar Fockenfeld ist eine Schule, die Jungen besuchen können. Das Seminar bereitet zwar auf den Priesterberuf vor, es muss jedoch nicht gezwungenermaßen diese Laufbahn eingeschlagen werden.) Zwar hatte ich überhaupt noch nicht vor, Priester zu werden,  eher tendierte ich zum Lehrerberuf. Mich reizte die Möglichkeit, dort das Abitur nachholen zu können. Deshalb meldete ich mich an und verbrachte dort die prägendste Zeit meines Lebens. Mir gefiel es dort so gut, dass nach und nach der Entschluss reifte, mein Leben Gott zu widmen. Das Prämonstratenserkloster Speinshart habe ich mir dann deshalb ausgesucht, weil ich mich mit meiner Heimat verbunden fühle und die Gemeinschaft hier sehr ansprechend fand. Die Prämonstratenser legen Wert auf ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Gemeinschaft und Seelsorge - das gefällt mir.

Wie sieht dein Tagesablauf im Kloster aus?

Wir stehen um sieben Uhr auf, was ziemlich spät für einen Ordensmann ist. Danach ist um 7.30 Uhr die Laudes, anschließend das Frühstück. Nach dem Frühstück gehen alle an die Arbeit. Zum Beispiel bin ich in der Vorweihnachtszeit dafür zuständig, die Adventskränze zu binden. Manchmal nutze ich diese Zeit auch, um Orgel zu üben. Um 12 Uhr gibt es Mittagessen, nachmittags ist wieder reserviert für die Arbeit. Um 17.15 Uhr findet die Vesper statt, bevor wir  zu Abend essen. Danach ist meistens nochmal Messe. Die Abendgestaltung nennt sich "Rekreation", d.h. wir können entweder zusammen etwas am Fernseher anschauen, zusammensitzen, diskutieren oder uns aber auch zurückziehen.
"Die Priester sollen dafür da sein, die Menschen um sich zu scharen und Gutes auf die Welt zu bringen und nicht, um nach unten Druck auszuüben."

Was fällt dir in deinem Leben als Geistlicher besonders schwer?

Eigentlich der Gehorsam. Das Leben im Kloster ist sehr hierarchisch aufgebaut und als Frater bin ich natürlich noch jung und muss viel lernen. Es fehlt mir manchmal die Freiheit, auch einfach mal irgendwie wegfahren zu können, ohne sich abmelden zu müssen.

Wie ist dein Verhältnis zu anderen Religionen? Gibt es für dich eine "richtige" Religion?

Papst Benedikt hat einmal gesagt: "Es gibt so viele Wege zu Gott, wie es Menschen gibt." Ich denke, man kann Gott in vielerlei Weise begegnen. Aber ich bin ein großer Jesusanhänger und glaube deshalb, dass das schon seine Richtigkeit mit diesem Jesus haben wird.

Wie begegnest du Kritik an der katholischen Kirche? Ist es nicht manchmal schwer, auf die vielen öffentlichen Kritikpunkte zu reagieren?

Das Problem ist einfach, dass viele nicht richtig Bescheid wissen über das Leben im Kloster und die Kirche und nur die Meinung der Medien wiederholen. Kritik ist aber nichts desto trotz nicht immer falsch.  Wichtig ist meiner Meinung, dass die Kirche nicht versuchen darf zu vertuschen, sondern offen mit Problemen und Fehlern umgeht. Ich möchte aber auch darauf hinweisen, dass nicht die Kirche als Institution Fehler begeht, sondern die Menschen die dahinter stehen. Unser Pater Andreas hat heute in der Predigt treffende Worte gefunden. Er hat gepredigt, dass ein Hirte, der mehr Ober als Hirte ist, seine Aufgabe nicht entsprechend erfüllt. Die Priester sollen dafür da sein, die Menschen um sich zu scharen und Gutes auf die Welt zu bringen und nicht, um nach unten Druck auszuüben.

Was würdest du an der Kirche ändern, wenn du etwas ändern könntest?

Ich würde auf jeden Fall die Kirchensteuer abschaffen, da ich glaube, dass sie mehr schadet als nützt. Zwar ist sie durchaus auch gerechtfertigt, denn sie fließt z.B. in Krankenhäuser und soziale Einrichtungen. Eine gute Alternative aber  finde ich die Kultursteuer in Italien. Es kann jeder selbst entscheiden, ob diese Steuer der Kirche oder einer anderen kulturellen oder sozialen Einrichtung zufließen soll.
"Ich vermisse manchmal Liebe und Zuneigung, ja auch Sexualität. Ich bin ja noch jung."

Wie kann man deiner Meinung nach junge Leute wieder für den Glauben begeistern?

Auf keinen Fall finde ich hier Zwang angemessen. Vielmehr sollte versucht werden, den Glauben positiv weiterzugeben und den Kontakt mit den Jugendlichen aufrecht zu halten. Dies kann zum Beispiel auch durch die Sakramente wie Firmung oder Hochzeit geschehen. Dass der Glaube zurückgeht, liegt wohl auch an unserer "Wohlstandsgesellschaft" in der wir leben. Es gibt aber diesen Drang nach Spiritualität in der Gesellschaft, den die Kirche stillen kann.


Fühlst du dich nicht manchmal einsam hinter den Klostermauern?

Vorneweg möchte ich sagen, dass ich meine Entscheidung für ein Leben im Kloster noch an keinem einzigen Tag bereut habe. Trotzdem fühle ich mich manchmal natürlich auch einsam. Ich vermisse manchmal Liebe und Zuneigung, ja auch Sexualität. Ich bin ja noch jung. Aber ich versuche auch aus diesem Gefühl einen positiven Nutzen zu ziehen.

Was ist für dich "True Spirit"?

True Spirit, als die Spiritualität an sich, sehe ich als Leben aus dem Glauben und Vertrauen auf Gott. Ich weiß, dass ich mich bei Gott immer geborgen fühlen darf und er mir Halt gibt.



Danke für das Interview, lieber Korbinian, und viel Kraft für deinen Weg.  

Mehr Infos über Korbinian und das Kloster Speinshart unter: http://www.kloster-speinshart.de/.
 

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