Sonntag, 10. Mai 2015

Fotograf und Manipulator der Wirklichkeit - Stefan Effenhauser




Stefan Effenhauser ist Künstler, Handwerker, Fotograf und vieles mehr. Nach vielen Widrigkeiten ist es ihm nun endlich möglich, seiner Obsession, dem Fotografieren, in einer Weise nachzugehen, wie er es sich immer geträumt hat. Über das Fotografieren, Träume und Wünsche und über Hindernisse auf dem Weg dorthin, haben wir mit ihm gesprochen. 



Lieber Stefan, kannst Du einen kleinen Überblick über Dich und Dein Leben geben?
Ursprünglich komme ich aus Burglengenfeld aus dem Landkreis Schwandorf in der schönen Oberpfalz. Aber im Herzen bin ich voll und ganz ein Regensburger – ich liebe diese Stadt einfach.Nachdem ich 17. Semester lang eine Ausbildung zum Diplompädagogen durchlaufen habe, musste ich diese leider ohne Abschluss abbrechen. Ich war einfach total ausgebrannt, heute würde man wahrscheinlich Burnout dazu sagen. Die Gründe hierfür waren zahlreich, tun aber heute auch nichts mehr zur Sache.
Auf jeden Fall hat der Abbruch meines Studiums dazu geführt, dass ich meine Berufung gefunden habe – das Fotografieren. Von daher weiß man nie, für was ein vermeintlich negatives Ereignis im Leben gut sein kann. Im Jahr 2008 habe ich dann eine klassische zweijährige Ausbildung zum Fotografen absolviert. Nebenbei habe ich bei der Regensburger Stadtmaus (Anmerkung: Klassische Stadtführungen, Erlebnisführungen mit Schauspiel und kulinarische Streifzüge durch Regensburg) als Schauspieler gearbeitet und an über 700 Führungen teilgenommen, bei denen ich über 20 Rollen spielte.


Über sechs Jahre habe ich dort gearbeitet und konnte mir dadurch ein sehr gutes Wissen über die Stadt aneignen und auch meine Leidenschaft für Regensburg hat sich natürlich dadurch erst Recht entfalten können. Diese Leidenschaft habe ich mir auch später in Bezug auf meine fotografischen Arbeiten beibehalten.
Nebenbei habe ich als freiberuflicher Fotograf verschiedene Auftragsarbeiten übernommen, also das Übliche: Hochzeiten, Geburtstage und dergleichen. Ab 2013 habe ich mich dann als Leiharbeiter durschlagen müssen. Seit einigen Monaten habe ich was das Fotografieren angeht einen echten „Drive“ und ab Mai 2015 beginne ich auch noch meine Traumstelle als einer von zwei Stadtfotografen bei der Stadt Regensburg. Regensburg und Fotografieren  -  besser geht´s nicht!

Was fasziniert dich denn am Fotografieren?
Zunächst mal möchte ich festhalten, dass die meisten Leute das Fotografieren nur als reine Kunst betrachten. Das ist es sicherlich auch, aber zunächst einmal ist es ein Handwerk. Und dieses muss wie jedes andere auch erlernt werden. Mein Bestreben ist es zu erreichen, dass der Betrachter meiner Bilder sich wirklich auf meine Fotografie einlässt – etwas daraus zieht. Dieses Ziel zu erreichen fasziniert mich.


Kannst Du das genauer beschreiben?
Heutzutage sind wir vor allem durch das Internet ein kompletten Reizüberflutung ausgesetzt, auch was  das Fotografieren betrifft. Im Grunde genommen empfinde ich es aber als respektlos, einfach nur zu konsumieren. Die Aufmerksamkeitsspanne im Internet beim Betrachten von Bildern beträgt maximal drei Sekunden. Das ist nicht gerade viel. Schaffst Du es den Betrachter länger zu binden, dann hast Du Dein Publikum.
Ich versuche stets guten Bildern meinen Respekt zu zollen, indem ich mich intensiv mit ihnen auseinander setze. Das inspiriert mich.

Das ist Deine Inspiration?
Genau! Ich liebe es Fotografien anderer Fotografen anzuschauen und zu analysieren. Ich möchte wissen, wie Sie zu diesem Ergebnis gekommen sind. Man könnte sagen, ich seziere die Bilder um anhand ihrer Eigenschaften herauszufinden, was sie aussagen sollen. Auf diese Weise kann ich natürlich auch Rückschlüsse auf die technische Ausführung ziehen und so selber auch Erfahrungen sammeln. Letztlich lernt man eben am besten durch Betrachtung dessen, was schon da ist und muss die gewonnenen Erkenntnisse dann den eigenen Fähigkeiten hinzufügen. Wie gesagt, es ist ein Handwerk!

Stichwort Handwerk. Welche Rolle spielt denn eine gute Kamera beim Fotografieren?
Eine gute teure Kamera ist dafür gut, mir während des Fotografierens nicht im Weg zu sein. Damit will ich sagen, dass gute Aufnahmen tendenziell mit jeder Kamera möglich sind. Man muss halt nur wissen, wie man richtig fotografiert. Aber schlechte Kameras machen halt auch mehr Probleme und erschweren die ganze Sache. Letztlich ist die Kamera daher ein Werkzeug wie der Hammer oder das Fleischermesser. Eine gute Kamera macht noch keinen guten Fotografen. Aber natürlich kriege ich feuchte Augen, wenn ich mir die neuesten Modelle anschaue. Wobei es ein großer Wunsch von mir wäre, mir einmal eine Haselblad zu kaufen. Das ist eine analoge Kamera, die quadratische Bilder im Mittelformat schießen kann und damals in den 60er Jahren sogar auf der Mondmission dabei war.

Wie wählst Du Deine Motive aus?
Wie bereits erwähnt habe ich ja auch einige Auftragsarbeiten gemacht. Insofern muss man sich da natürlich nicht den eigenen Kopf über die Motivwahl zerbrechen, da die Kunden in der Regel wissen, was sie wollen. Allerdings muss ich eingestehen, dass mich diese Art von Arbeit nicht immer begeistert. Denn die oft gewünschten Postkartenmotive langweilen mich einfach. Was mich wirklich interessiert ist die Stadt aus ungewöhnlichen Blickwinkeln zu fotografieren. Außerdem mache ich auch ab und zu ein paar Portrait Bilder, um da in Übung zu bleiben.

Du hast eingangs erwähnt, dass Du im Moment einen regelrechten Drive hast. Wie kam es dazu?
Ich habe ja bereits erzählt, dass ich mich unter anderem auch als Leiharbeiter durchschlagen musste. Ja, eine Familie bringt neben den Freuden eben auch eine große Verantwortung mit sich. Zwar habe ich versucht mich als freier Fotograf durchzuschlagen, aber das ist schwer, als solcher seinen Lebensunterhalt zu sichern. Vor allem als künstlerischer Fotograf hat man kaum eine Chance, es gibt einfach viel zu viele Fotografen und auch viele sehr gute! Während meiner Zeit als Leiharbeiter haben mich dann zwei alte Freunde von mir angesprochen, ob ich nicht Interesse daran hätte, gemeinsam mit ihnen ein Buch über meine Geburtsstadt Burglengenfeld herauszubringen und die entsprechenden Fotos hierfür beizusteuern. Im Laufe der Arbeiten entschlossen wir uns, nicht ein Buch sondern eher einen Bildband zu kreieren, also mehr Bilder weniger Text. Die Arbeit an diesem Buch führte dann zu meiner sogenannten Panoramaphase, in der ich in erster Linie knallige, bunte Fotos schoss, die wie gemalt erscheinen sollten. Insgesamt  haben wir eine Menge Zeit und sehr viel Geld in dieses Projekt investiert und bislang nichts daran verdient. Aber ich konnte mich als Fotograf weiterentwickeln und letztlich hat dann unter anderem dieses Projekt neue Türen geöffnet.




Du spielst damit auf Deinen neuen Job als Stadtfotograf an?
Ganz genau! Allerdings gab es da noch eine für mich sehr prägende Sache. Im Jahr 2014 hat die Stadt Regensburg Joachim Wolbergs zum neuen Oberbürgermeister gewählt. Wolbergs hat dann noch im selben Jahr einen Fotowettbewerb ausgerufen, in der eine neue ansprechende Wanddekoration für das Rathaus und sein Büro gefunden werden sollte. Jeder der insgesamt über 87 Teilnehmer sollte sechs Fotos mit Motiven der Stadt, quadratisch, schwarz-weiß abgeben. Und ich habe diesen Wettbewerb gewonnen. Unglaublich! Als ich sagte ich hätte einen „Drive“, meinte ich daher, dass es mit dem Fotografieren und somit mit der Sache, die mir so viel Spaß macht, endlich vorangeht. Ich kann im Moment also wirklich zufrieden sein und wann kann man sowas schon mal sagen, das ändert sich ja immer!


Wie gewinnt man einen solchen Wettbewerb?
In erster Linie habe ich mich von der Biographie von Joachim Wolbergs leiten lassen. Alle Bilder der Stadt haben etwas mit ihm zu tun. Meiner Meinung nach ist Wolbergs ein sehr sozialer Mensch, dem Familie und auch alte Menschen sehr am Herzen liegen. Ich habe daher beispielsweise versucht hierfür ein Symbol zu finden, welches eben diese Eigenschaften zum Ausdruck bringt und mich sodann für das Riesenrad der Dult (Anmerkung: Volksfest/Rummel in Regensburg) entschieden. Oder die Steinerne Brücke, die einst gebaut wurde, um den Handel im Mittelalter zu beflügeln, sollte dafür stehen, dass Wolbergs versucht die Stadt Regensburg auch wirtschaftlich stark zu machen. Letztlich steht hinter jedem der sechs Bilder eine Geschichte, die auf die eine oder andere Art mit dem Oberbürgermeister verwoben ist.







Bearbeitest Du die Bilder eigentlich nachträglich mit Photoshop?
Ich kenne keinen professionellen Fotografen, der die Bilder gleich so, das heißt ohne Photoshop weitergibt. Ich habe Hochachtung vor denen, die das können. Letztlich ist aber dennoch der beste Effekt der, den man nicht sieht. Das gilt auch für die Arbeit mit Photoshop – das macht den Profi aus!

Aber handelt es sich dann nicht um Betrug, wenn man das Bild noch nachbearbeitet?
Fotografie ist Manipulation! Fotografie zeigt niemals die Wirklichkeit. Genau genommen gibt es gar keine Wirklichkeit – denn die konstruiert man immer selber. Von daher fand ich das Interview mit Jörg Starkmuth über dieses Thema sehr interessant. Alle die sich an der Verwendung von Photoshop künstlich echauffieren haben letztlich keine Ahnung, denn jeder Fotograf weiß in dem Moment, in dem er abdrückt genau, was er darstellen will und auf was für ein Endprodukt er hinarbeitet.
Ein Fotograf steuert seine Bilder immer so, dass sie beim Betrachter etwas auslösen - etwas bewirken. Denn letztlich will ein Fotograf wie alle Künstler etwas ausdrücken. Auch schon in der Zeit vor Photoshop haben daher die Fotografen ihre Bilder bearbeitet. Dies war beispielweise durch chemische Prozesse möglich, je nachdem an welche Stelle man das Bild belichtet, kommt ein anderes Ergebnis raus – genaugenommen ist auch schon das geschummelt, also Manipulation.



Bist Du stolz auf Deine Werke?
Natürlich bin ich das. Bei den sechs Bildern aus dem Stadtwettbewerb handelt es sich beispielsweise um meine erste erfolgreiche Fotoserie.  Aber was mich wirklich stolz macht und mich mit Glück erfüllt ist, dass mein Sohn stolz auf mich ist. Und zwar nicht stolz darauf was ich habe oder nicht habe, sondern darauf, dass ich in seinen Augen ein guter Fotograf bin.  Das rührt mich wirklich vom Herzen, wenn Dein Kind sowas zu Dir sagt.

Gibt es einen Traum den Du hast?
Ich beneide Leute, die Reisen können und von ihren Ausflügen auch noch geile Bilder mitbringen können. Ich habe bislang noch keine Möglichkeit gehabt, dies irgendwie zu schaffen. Ein richtiger Traum wäre es für National Geographic oder dergleichen spektakuläre Fotos zu schießen. Wobei das wahrscheinlich auch extrem harte Arbeit ist. Aber dennoch beneide ich Leute, die einfach fotografieren können, ich muss mir das immer aus den Rippen brechen, da einfach meist keine Zeit oder kein Geld vorhanden ist. Aber so ist das Leben und ich würde mein Leben auch niemals gegen ein anderes eintauschen wollen.

Und natürlich zu guter Letzt: Was ist für Dich der True Spirit?
Nichts beflügelt mehr, das Richtige zu tun, als das, was Du lieb gewonnen hast.

Danke für dieses spannende Interview. Weitere Informationen über Stefan und seine Werke findet ihr unter:  http://stefaneffenhauser.deviantart.com/ oder aber https://www.flickr.com/photos/stefaneffenhauser sowie Stefan Effenhauser auf Facebook!


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen