Mittwoch, 5. August 2015

Fitness, Fasten, Fortschritt - Christopher Stosno

Im neuen True Spirit Interview geht es um ein Thema das in den letzten Jahren rasant an Fahrt gewonnen hat: Fitness und Ernährung! Während in den 80er Jahren Fitnessstudios als Muckibuden verschrien waren und Ernährung ein absolutes Randthema darstellte, ist Fitness und ein gesunder Lifestyle mittlerweile im Mainstream angekommen. Über dieses Thema haben wir mit Christopher Stosno gesprochen, der sich als Personal Trainer, Ernährungsberater, Schnelligkeitstrainer und Gesundheitsbeauftragter bestens mit der Materie auskennt. 
 
Kannst Du uns einen kleinen Überblick darüber geben wer Du bist, was Du machst und wie Du zum Sport gekommen bist?
Mein Name ist Christopher Stosno und ich bin sowohl selbstständig tätig als auch im Gesundheitsmanagement einer Bank angestellt. Zusammen mit meiner Schwester betreibe ich das Schnelligkeitszentrum Berlin, in dem wir Sportler in den Bereichen Koordination, Kraft und Schnelligkeit seit über 10 Jahren sehr erfolgreich verbessern. Unser Vater hat das Zentrum 2005 gegründet und vor ein paar Jahren an uns übergeben. Zu Beginn habe ich neben meinem Abitur und leistungsorientiertem Fußball (A-Jugend Bundesliga) sporadisch ausgeholfen. Es hat mir schon immer Freude bereitet Sportler (vom jungen Nachwuchssportler bis hin zum Bundesligaprofi) zu begleiten und zu sehen wie positiv sich die physischen Verbesserungen auf ihre Sportart auswirken. Das Bemerkenswerteste ist für mich zu sehen, dass sie nicht nur körperliche Fortschritte erzielen, sondern dadurch auch selbstbewusster und somit viel präsenter und erfolgreicher werden.Sport ist seit meiner Kindheit ein fester Bestandteil meines Lebens. Und ich habe das Glück, dass ich meine Passion zum Beruf machen konnte.
Nebenbei habe ich vor einigen Jahren den Blog www.intermittent-fasting-diet.de ins Leben gerufen. Hier schreibe ich Artikel zum periodischen Fasten und auch allgemein über gesunde Ernährung und Training. Auf periodisches Fasten bin ich damals über Leangains von Martin Berkhan gestoßen. In Kombination mit verschiedenen weiteren Gewohnheitsänderungen konnte ich meine Allergien und mein Asthma sehr gut in Griff bekommen. Es freut mich, dass viele in meinem Bekanntenkreis sowie einige Klienten ebenfalls sehr gute gesundheitliche Erfolge damit erzielen konnten.
Sportlich versuche ich vielfältig unterwegs zu sein. Zur Zeit spiele ich drei Mal pro Woche Fußball, betreibe ein- bis zweimal pro Woche Krafttraining, trainiere je nach freier Kapazität bei uns im Schnelligkeitszentrum, gehe ab und zu mit meiner Frau und meinem Hund laufen und baue auch mal Einheiten mit dem eigenen Körpergewicht ein. Momentan komme ich bei 1,95m auf ca. 105Kg - das klingt vielleicht viel, sieht aber nicht so aus ;-)

In den letzten Jahren ist ein regelrechter Fitness und Ernährungsboom entstanden. Woran  liegt das Deiner Meinung nach? Spielt da auch eine Portion Narzissmus mit?
Ich denke, dass der Trend nur eine unausweichliche Gegenbewegung zur immer stärker werdenden Masse an ungesunden Menschen und Lebensgewohnheiten darstellt. Man muss nur über die Straßen gehen und sieht wie ungesund unsere Gesellschaft geworden ist. Übergewicht wird immer stärker zur Normalität. Kinder, die morgens auf dem Weg ein Croissant und Energydrink als Frühstück in der Bahn konsumieren, sind keine Seltenheit mehr. Quengelnde Kinder werden von Müttern mit Cola und einem Schokoriegel kurzzeitig ruhig gestellt, damit sie einige Minuten später umso aufgedrehter sind. Der stressgeplagte Arbeiter gönnt sich zum Ausgleich Pizza und Eis, da nach 10 Stunden Arbeit das Kochen nur noch einen weiterer Stressfaktor für sie darstellt. Wir haben eine Gesellschaft geschaffen, die ungesunde Gewohnheiten hervorbringt und daher wird es wiederum cool, wenn man gesund und durchtrainiert ist. Es ist meiner Meinung nach ein Gegentrend, um sich von der Allgemeinheit abzuheben. Dieser Trend ist wie viele andere aus den USA zu uns hinüber geschwappt und zieht durch diverse Onlineplattformen und Social Media sehr schnell weite Kreise.
Narzissmus spielt dabei sicherlich auch eine große Rolle und wird durch bekannte Youtuber stark getrieben. Ich kann mich damit nicht identifizieren, da durch diese starke Selbstdarstellung oftmals ein falsches Bild in den Köpfen entsteht, was zu einer ungesunden Beziehung zu Ernährung und Training (zum Beispiel zu Essstörungen oder gesundheitsschädigendem Training) führen kann. Ich verstehe auch nicht, warum man über Instagram oder Facebook täglich fünf halbnackte Selfies teilen muss, ich sehe da keinen Mehrwert, aber anscheinend steht die Masse darauf.


Der Markt ist mittlerweile überschwemmt mit verschiedenen Trainingsmethoden von Eigenkörperübungen bis hin zum Training in der klassischen Muckibude. Das Gleiche gilt für den Ernährungsmarkt, Paleo, Vegan, Rohkost etc..Wie ist man als Normalsterblicher in der Lage sich hier zu Recht zu finden und das richtige Programm zu finden?
Grundsätzlich würde ich alle Ernährungs- & Trainingstipps aus dem Fernsehen und aus größeren Zeitschriften ignorieren! 99 Prozent davon sind absoluter Unsinn und maximal die halbe Wahrheit. Es geht lediglich darum, News zu produzieren, die bei der allgemeinen Masse gut ankommen. Oft weiß ich nicht, ob ich lachen oder weinen soll.
Angeführte Studien werden dabei nicht kritisch betrachtet. Es existieren extrem viele "Schrottstudien", die gerne in den Massenmedien verbreitet werden. Es steckt immer ein kommerzielles Interesse dahinter und daher wird einfach Content produziert statt zu hinterfragen, ob es den Leser/Zuschauer wirklich weiterbringt. Ich würde gerne ein Medium empfehlen, kann es aber nicht, da man alles kritisch hinterleuchten sollte und niemand unfehlbar ist – auch ich nicht.
Wenn ich jemanden empfehlen müsste, würde ich Lyle McDonald nennen. Auf seiner Seite www.bodyrecomposition.com gibt es viele qualitativ hochwertige Artikel – auf englisch.

Hast Du einen generellen Ratschlag für Leser, die abnehmen oder aber Muskeln aufbauen wollen? Welche Grundregeln sollte man beachten?
Zum Abnehmen benötigt man immer ein Kaloriendefizit. Bitte schenkt manchen Hardcore-Anhängern der ketogenen Diät keinen Glauben, dass man kein Defizit benötigt. Wenn man Gewebe (Fett) ABbauen möchte, muss man dem Körper entsprechendes signalisieren. Dies geschieht durch ein Kaloriendefizit. Um Gewebe (z.B. Muskelmasse) AUFzubauen, benötigt man mehr Energie bzw. muss den Eiweißstoffwechsel so stimulieren, dass mehr Muskeleiweiß gebildet als abgebaut wird. Das erzielt man durch Krafttraining in Verbindung mit erhöhter Eiweißzufuhr und ab einem fortgeschrittenem Niveau im Kalorienüberschuss. Anfänger können auch bei guter Ernährung und angepassten Training in einem Kaloriendefizit Muskelmasse aufbauen.
Grundsätzlich empfehle ich eine eiweißreiche, ballaststoffreiche und insgesamt naturbelassene Ernährung für eine verbesserte Hungerkontrolle. Man sollte weder vor Kohlenhydraten, noch vor Fett Angst haben. Die Kalorienzufuhr und die Gewichtung der Makronährstoffe muss man an die persönlichen Vorlieben, das Ziel und die Aktivität angepasst werden und lässt sich daher schwer verallgemeinern.
Beim Training sollte niemand nur Ausdauertraining oder ausschließlich Krafttraining betreiben, wenn es um optimale Gesundheit und Leistungsfähigkeit geht. Ich habe vor einiger Zeit für ein halbes Jahr ausschließlich 2 x pro Woche Kraft trainiert, da ich beruflich bedingt sehr wenig Zeit hatte und trotzdem meine Muskelmasse erhalten wollte. Als ich dann einen 5km-Lauf mitgemacht habe, wusste ich, dass sich etwas ändern muss ;-)


Eines Deiner Steckenpferde ist das sogenannte „Intermittent Fasting“.Was verbirgt sich hinter diesem Begriff und welche Vorteile hat diese Art des Fastens gegenüber herkömmlichen Diäten?
"Intermittent Fasting" oder wie ich lieber sage "periodisches Fasten" bedeutet einfach, dass man eine Fastenperiode in sein Leben integriert. Ob das täglich durchgeführt wird oder in einem wöchentlichen Rhythmus, kann man frei wählen. Es existieren verschiedene Schemata, die sich in der Praxis langfristig bewährt haben. Ich persönlich faste täglich zwischen 14-18 Stunden und nehme in den verbleibenden Stunden meine Kalorien auf. Manche bevorzugen ein- bis zweimal wöchentlich eine 24 stündige Fastenperiode. Es kann bis hoch zu 36 Stunden gehen, wobei ich diese Länge mit meinem derzeitigen Wissen nicht regelmäßig durchführen würde.
Man hat herausgefunden, dass das periodische Fasten in Studien viele positive Effekte auf die Gesundheit hat. Blutdruck, Blutzucker, Insulinsensitivität, Blutfettwerte, zelluläre Reinigung, Entzündungsprozesse und Lebenserwartung wurden alle positiv moduliert, obwohl man nur den Zeitraum der Essensaufnahme und damit auch Fastenzeit änderte – leider wurden bisher noch viele Studien nur an Tieren durchgeführt.

Bei vielen Menschen wird durch das planmäßige Fasten auch das Hungergefühl gesenkt und dadurch kann man langfristig leichter abnehmen oder sein Wunschgewicht halten. Wichtig ist mir auch besonders die verbesserte zelluläre Reinigung oder auch Autophagie genannt. Eine geschädigte Autophagie wird in Zusammenhang mit degenerativen und Autoimmunkrankheiten gebracht. Eventuell wurde durch die verbesserte Autophagie auch meine Allergie und mein Asthma gelindert. 
Hier mein Artikel dazu: http://www.intermittent-fasting-diet.de/2013/04/21/mehr-autophagie-durch-periodisches-fasten/
Auch das periodische Fasten ist nicht für jeden der heilige Gral. Manchen Menschen geht es besser mit drei geregelten Mahlzeiten am Tag. Das muss man individuell betrachten.

Mittlerweile nehmen viele Menschen Nahrungsergänzungsprodukte wie bspw. Proteinshakes ein. Wie ist Deine Meinung hierzu?
Die meisten Menschen benötigen keine Nahrungsergänzungsmitteln und werfen damit ihr Geld aus dem Fenster. In einigen Fällen ist es jedoch ratsam, wenn man beispielsweise einen Mangel bestimmter Mikronährstoffe hat (es sollte vorher über ein Blutbild analysiert worden sein) oder seine Eiweißzufuhr nicht anders decken kann. Ich nehme selbst auch ab und zu ein Eiweißshake zu mir, jedoch nicht täglich und es überwiegen immer die natürlichen Lebensmittel, wie ich es auch empfehle.



Du arbeitest u.a. als Personal Trainer. Was sind das für Menschen, die zu Dir kommen und wie stellt sich Deine Arbeit mit ihnen dar?
Ich bin mittlerweile aus Zeitgründen weniger als PT aktiv und betreue nur einige meiner damaligen Klienten aus Verbundenheit weiterhin. Personal Training ist natürlich etwas exklusives und so hat man mehr mit Selbstständigen oder Führungskräften mit entsprechendem finanziellen Hintergrund zu tun.Ich konzentriere mich als Trainer jedoch stärker auf unser Schnelligkeitszentrum, in dem wir in Kleinstgruppen trainieren, da mir die Arbeit mit Leistungssportlern am meisten Freude bereitet. Im Gesundheitsmanagement agiere ich auch als Trainer und Ernährungsberater einiger Mitarbeiter, aber dies ist nicht die Kernaufgabe. Durch meine verschiedenen Tätigkeiten bleibt es aber auch Interessant, da man oft umdenken und sich immer wieder auf unterschiedliche Gegebenheiten ausrichten muss. Ein Sportler, der nur für den Sport lebt und täglich 10 Stunden Schlaf bekommt, hat eine ganz andere Regenerationskapazität als ein gestresster Arbeiter, der sich nach dem Job noch um seine Familie kümmert und nur 6-7 Stunden schläft.



Geht bei dem ganzen „Gesundheitswahn“ nicht auch ein Stück Lebensfreude verloren? Ich meine wer wiegt schon gerne sein Essen vorher ab und verzichtet dauerhaft auf all die Dinge, die nicht gerade als gesunde Lebensmittel gelten, dafür aber einfach gut schmecken?
Natürlich kann Lebensfreude verloren gehen, wenn man etwas zu exzessiv betreibt und seine Familie, Freunde und andere Hobbys vernachlässigt. Ich denke nicht, dass man alles abwiegen und via App tracken muss, aber, dass es anfangs helfen kann, ein Gefühl für die Mengen und Lebensmittel zu bekommen. Langfristig sollte man intuitiv essen und sich nicht noch zusätzlich mit einem gestörten Essverhalten Stress belasten. Ich gönne mir gerne nach dem Training etwas leckeres, mal mehr und mal weniger. Allgemein esse ich maßvoll, aber bei sozialen Events halte ich mich nicht zurück. Ich weiß, dass es auf die langfristige Kalorienbilanz ankommt und nicht darum, ob ich an einem Abend 6 Stück Kuchen zu viel gegessen habe.
Man möchte schließlich weiterhin genießen können und sich nicht die Freude durch Verzicht nehmen. Genau das ist auch mein Ansatz warum ich mir nach dem Training etwas gönne. Ich kenne etliche Menschen, die nach dem Training nur noch einen trockenen Salat essen. Es ist kein Wunder, dass sie dann langfristig nicht am Ball bleiben, da sie sich negativ konditionieren, statt körperliche Leistung zu belohnen – so wie es der natürliche Ablauf ist. Dazu ein kurzer Artikel von mir:

Was steht in nächster Zukunft bei Dir auf dem Programm. Welche Projekte verfolgst Du im Moment?
Wenn es die Zeit erlaubt, würde ich gerne ein Buch über periodisches Fasten, Training und gesunde Gewohnheiten schreiben. Auch meinen Blog würde ich gerne wieder mit mehr Informationen füttern. Momentan ist es leider noch nicht möglich, da die Jobs mich zu stark einbinden.
Gerne würde ich auch wieder anfangen etwas Online-Poker zu spielen, da ich es früher einige Jahre semiprofessionell nebenbei betrieben habe und mir darüber einige schöne Reisen finanzieren konnte. Poker ist ein sehr interessantes Spiel, auch wenn es von vielen als Glücksspiel missverstanden wird, ist es sehr herausforderndes Geschicklichkeitsspiel mit einem Glücksfaktor. Langfristig entscheidet jedoch das Können.
Das Schnellligkeitszentrum Berlin aber bleibt immer mein Hauptprojekt, das ständig weiterentwickelt wird.

Was ist für Dich der „true spirit“?
True Spirit ist für mich, wenn man verfolgt was einen langfristig glücklich macht, selbst wenn der kurzfristige Prozess nicht immer Freude bereitet.

Lieber Christopher, vielen Dank für das freundliche Beantworten der Fragen und das interessante Interview!

Mehr Informationen findet Ihr auf: www.intermittent-fasting-diet.de/ 

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