Montag, 6. März 2017

Folge Deinem Herzen - Katharina Koch


Katharina Koch wuchs in Kassel auf und studierte Politikwissenschaften in Berlin und Paris. Nach dem Ende des Studiums tat sie etwas, was sogar nicht in das klassische Bild der Karriereleiter passte: Anstatt bei einer internationalen Organisation oder einem Unternehmen durchzustarten, entschied sie sich dazu, im väterlichen Betrieb in der Landfleischerei Koch einzusteigen. Im True Spirit Blog erzählt Katharina wie es dazu kam und ob sie diese Entscheidung wieder treffen würde.


Du hast ein abgeschlossenes Politikstudium mit reichlich Auslandserfahrung unter anderem in Frankreich und New York. Vor einiger Zeit hast Du Dich aber dazu entschlossen in den väterlichen Metzgereibetrieb einzusteigen. Bevor wir zur Frage kommen was Dich dazu bewogen hat, wäre interessant zu wissen, was Dich am Studium der Politik fasziniert hat und wie sich die tatsächliche politische Bühne Deiner Erfahrung nach vom Studium und Deinen Erwartungen unterschieden hat?
Das Interesse an Politik habe ich von meinem Großvater und von meinem Vater. Seitdem ich klein bin, haben wir sonntags zusammen Zeitung gelesen und über die Inhalte diskutiert. Politische Prozesse haben mich eigentlich schon immer interessiert, insbesondere, die Erfordernis, den Standpunkt seines Gegenübers verstehen zu müssen, wenn man zu einem tragfähigen Kompromiss kommen möchte. Das Funktionieren unterschiedlicher politischer Systeme hat mich genauso fasziniert, weshalb es für mich irgendwie naheliegend, Politik zu studieren. Zusätzlich habe ich Kommunikationswissenschaft studiert, weil Politik und Kommunikation für mich einfach zusammen passen. Der Unterschied zwischen den tatsächlichen Politikbetrieb, den im Deutschen Bundestag und in anderen politischen Institutionen kennen gelernt habe und meinen Erwartungen war eigentlich nicht allzu groß. Ich habe festgestellt, dass Ideen – selbst wenn sie sehr gut sind – nur schwer realisiert werden können, da es in der Politik sehr viele Faktoren gibt, die ihre Umsetzung verhindern. Aber damit rechnet man, wenn man weiß, wie das System funktioniert.

Wie kam es zu Deinem Entschluss etwas gänzlich anderes zu machen und in die Landfleischerei Deiner Familie einzusteigen?
Es ist ja nicht so, dass man morgens plötzlich aufwacht und sich sagt, „Ich mache jetzt etwas ganz anderes.“. Das war eher eine Aneinanderreihung von vielen kleinen Entscheidungen. Ich habe einfach gemerkt, dass, wenn ich in den Semesterferien im elterlichen Betrieb ausgeholfen habe, mir das Arbeiten sehr viel Spaß macht. Als wir dann in der Familie über die Unternehmensnachfolge gesprochen haben, war der Wunsch, den Betrieb weiter zu führen einfach stärker als eine Karriere in der Politik zu starten.


Wie kann sich den Alltag in einer Fleischerei vorstellen? Hattest Du Probleme beim Einstieg, denn Du hattest ja eine akademische Ausbildung absolviert?
Eigentlich nicht, denn ich habe ja von klein auf den Betrieb kennen gelernt und auch immer mal wieder dort gearbeitet. Mein Vater hat mir ziemlich schnell alles beigebracht, was ich sonst noch wissen musste. Darüber hinaus habe ich mich fachlich weitergebildet und auf der Meisterschule Betriebswirtschaft, Personalführung, Recht sowie eine Menge Praktisches wie z.B. Verarbeitungstechnologie  und Warenkunde gelernt. All dieses Wissen kann ich in meiner täglichen Arbeit anwenden, denn ich bin sowohl im Verkauf und der Produktion sowie im administrativen und organisatorischen Bereich unseres Betriebs tätig. Gerade für die Erfüllung letzterer Aufgaben ist für mich das Wissen, das ich im Studium erlangt habe, auch in meinem heutigen Beruf sehr wichtig.

Was erfüllt Dich an Deiner jetzigen Arbeit?
Wie gesagt, ist mein Beruf sehr abwechslungsreich. Kein Tag ist wie der andere, man arbeitet mit sehr vielen unterschiedlichen Menschen zusammen und hat deshalb jeden Tag viele interessante Begegnungen. Hinzu kommt, dass es eine sehr konkrete Tätigkeit ist. Am Ende des Tages weiß ich, was ich gemacht habe. Ich kann mein Produkt sehen und anfassen und vor allem die Freude wahrnehmen, die ich anderen damit bereiten kann. Das ist vielleicht der größte Unterschied zu einem Beruf, den ich ausgeübt hätte, wenn ich nicht den Betrieb meiner Eltern übernommen hätte.


Hast Du Deine Entscheidung je bereut?
Nein. Mir ist natürlich klar, dass ich als selbstständige Unternehmerin viel Verantwortung trage und ich deshalb bestimmt auch mal ein paar schlaflose Nächte haben werde. Aber das ist es wert.

Wie hat Dein Umfeld reagiert?
Total positiv. Auf der einen Seite gibt es sehr viele Leute, die sich freuen, dass die Familientradition fortgeführt wird und meine Freunde von hier freuen sich natürlich, dass ich zurückgekommen bin. Meine Freunde in Paris und Berlin waren zunächst überrascht, sie haben mich aber unterstützt und sind irgendwie auch fasziniert von dieser auf den ersten Blick ungewöhnlich erscheinenden Entscheidung – und sie freuen sich natürlich über viele leckere Wurstpakete.

Fleisch und Fleischkonsum kommt ja immer mehr in Verruf, gerade was Tierhaltung und den Klimawandel betrifft. Sind das Themen die bei Dir auf der Agenda stehen?
Absolut. Diese Themen sind mir sehr wichtig. Unsere Tiere stammen von Höfen aus der Region. Wir kennen also die Bauern persönlich und wissen, wie die Tiere gehalten werden. Das ist uns und auch unseren Kunden wichtig. Für mich persönlich haben nachhaltiger Umgang mit natürlichen Ressourcen und der Schutz unserer Umwelt einen hohen Stellenwert. Weil ich meine eigene Chefin bin, kann ich diese Grundsätze für unser Unternehmen verwirklichen.

Bist Du trotz Deines jetzigen Berufs noch politisch aktiv?
Ich engagiere mich in einem Serviceclub für soziale Projekte und nehme regelmäßig an politischen Veranstaltungen teil. Diese haben häufig mit den mir wichtigen Themen Ernährung, Landwirtschaft und regionaler Wirtschaft zu tun. Darüber hinaus würde ich mich sogar als eine Art Foodaktivistin bezeichnen, da ich mich aktiv an der Debatte über nachhaltig produzierte Lebensmittel beteilige und in diesem Zusammenhang in mehreren Organisationen engagiert bin, wie zum Beispiel dem Juniorenverband des Deutschen Fleischerhandwerks.


Was empfiehlst Du jungen Menschen, die ähnlich wie Du damals, nicht sicher sind, ob die vermeintlich vorgegebene Laufbahn auch tatsächlich die Richtige ist?
Ich denke, es hilft, wenn man sich klar darüber wird, dass die wenigsten Entscheidungen im Leben einfach sind und klar vor einem liegen. Gerade die wichtigen Entscheidungen kommen in kleinen Schritten und selten wird einem an einem Punkt bewusst, dass man sich für Weg a oder b entscheiden muss. Ein guter Hinweis dafür, dass man auf dem richtigen Weg ist, ist dass man glücklich und zufrieden ist, bei dem was man tut. Wenn man nicht sicher ist, was man tun soll, dann sollte man verschiedene Sachen ausprobieren. Irgendwann kommt der Moment, an dem man weiß, dass man das Richtige gefunden hat. Man kann das leider nicht wirklich planen, sondern man weiß es einfach, wenn der Moment gekommen ist.

Und natürlich auch bei Dir die Frage, was Dein persönlicher "True Spirit" ist?
Die Erkenntnis, dass das was ich tue, mich langfristig glücklich und zufrieden macht, auch wenn es manchmal anstrengend und schwierig sein kann, nicht nur Erfolge sondern auch Rückschläge mit sich bringt. Der True Spirit liegt darin, dass man sich dennoch jeden Tag auf seine Arbeit freut und diese nicht nur als solche sondern auch als Vergnügen wahrnimmt. Für mich persönlich bedeutet der True Spirit auch, dass ich in meinen Entscheidungen frei bin und in einem abwechslungsreichen und kreativen Beruf arbeiten kann, der mir und anderen an jedem Tag Freude bereitet.

Liebe Katharina, vielen Dank für das Interview und alles Gute auf Deinem Lebensweg!

Wer sich näher über Katharina und die Landfleischerei Koch informieren will, kann das
hier tun:   http://www.landfleischerei-koch.de/

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