Montag, 14. August 2017

Eine Stimme für diejenigen, die keine haben – Sebastian Margenfeld


Sebastian Margenfeld hat den Förderverein Animal Hope & Wellness e.V. in Deutschland gegründet und rettet misshandelte und gequälte Hunde aus dem asiatischen Hundefleischhandel. Vor einem Monat war er zum dritten Mal in China und konnte sieben Hunde aus den Fängen der Hundefleischhändler retten. Über seinen Verein, seine Arbeit und seine Reisen nach China haben wir mit ihm gesprochen. 



Lieber Basti, du hast den Förderverein Animal Hope & Wellness e.V. in Deutschland gegründet. Kannst du die Organisation kurz vorstellen?
Unser gemeinnütziger Förderverein unterstützt die amerikanische Animal Hope and Wellness Foundation von Deutschland aus. Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, die Abgründe des asiatischen Hundefleischhandels in Deutschland publik zu machen.
Gleichzeitig versuchen wir Spenden zu sammeln, damit möglichst vielen Hunden dieses grausame Schicksal erspart bleibt. Diejenigen, die den Horror überlebt haben, werden tierärztlich versorgt und dann nach Los Angeles oder zu uns nach Deutschland geflogen, von wo aus sie dann an liebevolle „Furever Homes“ vermittelt werden.


Wie kam es dazu, dass du dich entschlossen hast, den Verein in Deutschland zu gründen?
Alles fing mit einem YouTube-Video von Marc Ching , dem Gründer der amerikanischen Animal Hope and Wellness Foundation, im August 2016 an. In dem Video erzählt und berichtet er von der unfassbaren Grausamkeit des asiatischen Hundefleischhandels, also den Hund zu foltern, bevor man ihn schlachtet, auf Grund der allgemeinen Überzeugung, dass dadurch das Fleisch gesünder und zarter wird. Ich wusste damals schon, dass in vielen Teilen Asiens Hunde gegessen werden, mir war nur nicht das Ausmaß der Brutalität und dieser Irrglaube bekannt. Mir war relativ schnell klar, dass ich dieser Organisation - und vor allem den Hunden in Asien - helfen muss.
So entstand die Idee einen Förderverein zu gründen, um einerseits die Menschen in Deutschland aufklären und andererseits Spenden zu sammeln.





Wieviel Zeit investierst du in das Projekt. Wie klappt das neben dem Beruf?
Mittlerweile ist es für nicht mehr nur ein Projekt, sondern meine Lebensaufgabe. Ich stehe mit dem Schicksal dieser Hunde morgens auf und gehe abends damit ins Bett. Es gibt nicht einen Tag, an dem ich nicht an sie denken muss. Viele können das nicht verstehen. Auch nicht im engeren Freundes- und Familienkreis. Sie fragen sich wahrscheinlich heute noch, was mit mir auf einmal passiert ist. Das liegt vor allem daran, dass ich Dinge gesehen habe, die bisher - außer Marc Ching - vermutlich keiner gesehen hat. Ich habe für meinen Verein ein Aufklärungsvideo produziert und dafür Undercovervideomaterial von Marc Ching angefordert und auch erhalten. Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich damals unter Tränen zusammengebrochen bin, als ich es das erste Mal angeschaut habe. Ein zweites und drittes Mal fiel ich in ein tiefes Loch, als ich die Sequenzen für mein Video herausgeschnitten habe. Ich sage immer, man muss es wirklich selbst sehen, um es zu glauben, und wenn du es gesehen hast, wirst du es nie wieder vergessen.
Seit dem ersten Zusammenbruch hat sich mein Leben verändert.




 Basti, du warst dieses Jahr ja bereits auch schon zweimal direkt vor Ort. Was hast du in China erlebt? Kannst du uns von den Umständen dort berichten?
Mittlerweile war ich sogar schon zum 3. Mal dort. Mein erster und zweiter Trip waren jeweils zu einer Auffangstation in Changsha, wo die geretteten Hunde versorgt werden bis sie in die USA oder auch zu uns nach Deutschland geflogen werden. Meine Hauptaufgaben waren vor allem füttern, sauber machen, Gassi gehen und den Hunden Liebe und Aufmerksamkeit schenken.
Mein 3. Trip im Juni diesen Jahres war dann komplett anders. Ich war, zusammen mit Andreas von ProWal, in der südchinesischen Stadt Yulin, in der das alljährliche Hundefleischfestival stattfindet. Ein Fest bei dem die Sommerwende gefeiert wird und schätzungsweise 10000 Hunde brutal getötet werden. Wir waren in verschiedenen Städten, auf verschiedenen Märkten und auch in Schlachthäusern, um zu dokumentieren. Gerade auf den Lebendmärkten (man kann dort alle Arten von Tieren lebendig kaufen und direkt vor Ort schlachten lassen oder es zu Hause selber machen.) habe ich mich wie in einer anderen Zeitepoche gefühlt. Am ehesten kann man es mit Märkten aus Mittelalterfilmen vergleichen. Eine andere Welt, die man mit Worten nur schwer beschreiben kann.
In einem Schlachthaus haben wir dann auch 7 Hunde gerettet, kurz bevor man sielebendig totgeprügelt hätte. Mein Fahrer und ich fuhren dann mit ihnen 14 Stunden zur Auffangstation, die von Suki Su von Animal Hope and Wellness China, geleitet wird und die ich bei meinen ersten 2 Trips besucht hatte. Alle 7 wurden dann bei der Ankunft direkt medizinisch versorgt und untergebracht. Im September werden wir sie nach Deutschland holen. Am Folgetag kamen dann Suki und Marc mit einem LKW voller Hunde in der Auffangstation an. Ich half dann beim Entladen und die restlichen Tage meines Trips bei der medizinischen Versorgung der Hunde.


Wie kann man eure Organisation unterstützen?
Man kann unsere Beiträge auf Facebook teilen und liken oder der Familie und Freunden von dem Schicksal dieser Hunde erzählen und so zu einer Stimme für sie werden.
Natürlich benötigen wir als gemeinnütziger Verein auch Spendengelder. Unabhängige Tierschutzarbeit braucht unabhängiges Geld. Man kann gerne zum "Furever Home" für eine gerettete Fellnase werden und einen Hund adoptieren.
Zudem sind wir auch immer auf der Suche nach Pflegestellen (Raum 79238 Ehrenkirchen), die einen Hund solange bei sich aufnehmen, bis wir die passende Endstelle gefunden haben.

Wie werden die Gelder, die für die Organisation gespendet werden, konkret eingesetzt?
Zum einen, um die Hunde nach Deutschland zu holen. Sprich Dokumente zur Einfuhr sowie das Flugticket. Sind die Hunde dann in Deutschland, geht es direkt zum Tierarzt, was der zweite Bedarf ist (Entwurmung, Haut- und Fellbehandlung, Blut- und Stuhluntersuchung, Impfungen, Kastration, EU-Ausweis).






Wie läuft die Vermittlung ab, wenn man einen Hund aus China aufnehmen möchte?
Man füllt auf unserer Homepage die Vermittlungsanfrage aus, und anschließend setzen wir uns mit derjenigen/demjenigen in Verbindung und besprechen alles Weitere.

Du hast ja auch selbst drei Hunde aus Hilfsorganisationen aufgenommen. Einer davon wurde von Marc Ching gerettet, wenn ich das richtig in Erinnerung habe. Wie geht es den dreien heute?
Genau, meine Frau und ich haben zwei Hündinnen aus Spanien und seit Februar diesen Jahres eine Hündin aus China. Die Spanierinnen Kira und Honey sind aus einer Tötungsstation in der Nähe von Barcelona, und Suki wurde während des Yulin-Festivals 2016 von Marc Ching aus einem Schlachthaus gerettet. Ich habe Suki dann während meines ersten Chinatrips im Februar 2017 mit nach Deutschland genommen. Allen dreien geht es sehr gut. Suki ist noch immer unglaublich ängstlich. Ich vermute, dass sie in dem Handel aufgewachsen ist und ihre ersten 1,5 Lebensjahre ausschließlich von Gewalt geprägt waren. Meine Frau und ich fragen uns oft, wenn sie auf verschiedene Alltagssituationen mit purer Angst reagiert, was man dieser armen unschuldigen Fellnase nur angetan hat. Aber es wird täglich besser und wenn sie mich mittags mit ihrem Schwanzwedeln begrüßt, könnte ich vor Glück weinen.






Was ist für dich der „True Spirit“?
Für mich geht es vor allem Gerechtigkeit.
Denen eine Stimme zu geben, die auf dieser Welt keine haben. Während ich mich für Hunde in Asien einsetze, heiße ich andere Dinge, die z.B. hier in der Massentierhaltung passieren, genauso wenig gut. Im Gegenteil. Ich hoffe, dass wir Menschen eines Tages die Brücke schlagen und in einer Kuh oder in einem Schwein unseren Hund, unser Kind sehen. Kein Tier sollte für den menschlichen Konsum ausgebeutet, missbraucht oder getötet werden.
 

Weil jedes und alles Leben zählt – dafür kämpfe ich. Für die Tiere und für das Leben.


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