Montag, 4. September 2017

Superfood gegen Unterernährung und Hunger - Thriving Green


In Afrika leiden tausende Menschen unter Hunger aufgrund von Trockenheit und Dürre. Doch Daniel Kotter und das Team von "Thriving Green" haben den Kampf gegen die chronische Mangel- und Unterernährung aufgenommen. Im Nordwesten des Landes züchten sie gemeinsam mit Einheimischen das Super-Food SPIRULINA, welches als Alge auch unter widrigsten Bedingungen gedeiht.




Lieber Daniel, Du bist Mitbegründer des Projekts „Thriving Green“, bei dem es darum geht Mangelernährung durch Spirulinazucht nachhaltig zu bekämpfen. Was verbirgt sich hinter diesem Namen?  
Thriving steht für “gedeihen”, “prosperieren”. Mit Thriving Green meinen wir das schnell gedeihende grüne Superfood Spirulina. Dadurch sollen sich Chancen für die von Mangelernährung geplagten Einheimischen Nordkenias eröffnen: Einerseits ein Zugewinn an gesunder, ertragreicher, sättigender und leckerer Nahrung. 

Andererseits Jobperspektiven als Spirulinabauer um die von hoher Armut geplagte Region wirtschaftlich entwickeln zu können. Somit soll durch das Gedeihen von Spirulina soz. auch der Mensch gedeihen können bzw. die Gesellschaft prosperieren können. Diesen Gedanken haben wir auch in unserem Logo verankert. Das Ziel von Thriving Green ist es also, hungergeplagten Menschen Zugang zu einem neuen Lebensmittel zu geben, das sie satt und gesund macht und zudem wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Fortschritt ermöglicht.
 



Wie ist dieses Projekt entstanden? Wie kamst Du zu „Thriving Green“?

Alexander Zacharuk, Biologiestudent, sehr guter Freund und ebenfalls Projektleiter von Thriving Green, kam am 3.6.2016 auf die Idee als er eine Phoenix Dokumentation über den Turkana-See sah. In der Doku wurde berichtet, dass es in dieser klimageplagten, heißen und trockenen Region keine Chance auf konventionelle Landwirtschaft gibt. Er als Biostudent war sich natürlich sicher, dass es auch in dieser Region etwas geben muss, das dort sehr gut wächst und trotzdem sehr gesund ist. So kam er auf Spirulina. Als er mir die Idee präsentierte, war ich sofort begeistert und wir starteten das Projekt.
 

Wie setzt sich Eurer Team zusammen?

Wir sind aktuell 11 Studenten aus den unterschiedlichsten Studienrichtungen. Biologie, Mikrosystemtechnik, Ingenieurbereich, Europastudien, BWL und Jura. Seit April sind auch Alfred und Joseph aus Kenia im Team, die das Projekt vor Ort vorantreiben.

Wie stellten sich die ersten Schritte des Projekts dar? Ich stelle mir das ziemlich schwer vor, also der Schritt von der Idee, bis zu dem Zeitpunkt in dem man etwas Greifbares aufweisen kann.

Ja, es war und ist eine enorme Herausforderung. Jedoch motivierten uns die bisherigen Ergebnisse und Erfolge und v.a. der persönliche Kontakt zu den Einheimischen, die uns sagten, sie wollten selber Spirulinabauer werden, immens. Wir geben alles, um das Projekt weiterhin erfolgreich umzusetzen und damit möglichst vielen Menschen zu helfen.

Hattet Ihr Unterstützung?

Ja, in erster Linie hat uns enactus Regensburg e.V. die Plattform gegeben, um unser Projekt zu starten. Ein Verein voller Gleichgesinnter, die gesellschaftliche Probleme durch soziale Projekte nachhaltig lösen wollen. Wir konnten hier Unterstützung durch die Vereinsmitglieder, erfahrene Berater, erfolgreiche Sozialunternehmer und dem riesigen Netzwerk von enactus worldwide (derzeit größte Studentenorganisation mit insg. ca. 70.000 weltweit studentischen aktiven Mitgliedern) erfahren. Zudem unterstützen uns die Lehrstühle Mikrobiologie und Technologie-und Innovationsmanagement der Uni Regensburg. Darüber hinaus hat uns das startup-center der OTH Regensburg sehr viel Unterstützung geboten. Ebenso wichtig waren die Judges und Advisor der Wettbewerbe, bei denen wir mitmachten und lernten. 

Entscheidend sind sicherlich die Partnerschaften mit Alfred Seyee und Pater Avelino Bassols vor Ort in Kenia. Alfred ist kenianischer Spirulinaforscher und –unternehmer. Er wohnt in Nairobi, half uns bei der Beschaffung der richtigen Startkultur und beim Aufbau der ersten Becken. Pater Avelino ist der Leiter der katholischen Mission in Nariokotome. Er half uns immens, indem er uns einen Zugang zur Region, zu den Menschen vor Ort, eine Unterkunft gab und ein Grundstück zur Verfügung stellte. Als weitere entscheidende “Säule” im Sinne von Unterstützung waren ebenfalls sehr entscheidend unsere Spender und finanziellen Unterstützer tätig. Ohne sie wäre das Projekt so nicht möglich gewesen. Wir sind all unseren Unterstützern, auch denen, die hier nicht erwähnt wurden, immens dankbar.

Spirulina ist bei uns hauptsächlich als Nahrungsergänzungsmittel und sog. Superfood bekannt. Was zeichnet Spirulina aus und ist es wirklich geeignet Hunger oder Mangelernährung zu bekämpfen?

Richtig! In Europa und in den USA kennt man Spirulina als Nahrungsergänzungsmittel, da bereits kleine Mengen erhebliche gesundheitsfördernde Effekte haben können. Spirulina hat auf 100g ganze 65g Protein mit vollständigem Aminosäureprofil, gesunde Fette, wenig Kohlenhydrate, viele Vitamine (v.a. B-Vitamine) und Mineralstoffe, zudem Antioxidantien. Insgesamt kommen 100g Spirulina auf ca. 300 Kcal, d.h. es bringt jede Menge Energie, sättigt und dient als hervorragender Nährstofflieferant. Ein absolutes Superfood eben! 

Das interessante an Spirulina ist zudem, dass es perfekt bei ca. 37°C in salzigen und basischen Wasserbecken gedeiht und zwar sehr schnell und sehr ertragreich. Genau diese an sich sehr extremen und lebendsfeindlichen Bedingungen machen vielen Menschen auf der Welt sehr zu schaffen, z.b. der Region Turkana in Nordkenia. Wegen der Hitze und dem versalzenen und viel zu basischen See ist konventionelle Landwirtschaft nicht möglich. Die Folge: Die Menschen hungern, bekommen im Schnitt nicht mehr als 1.000 Kcal am Tag, jedes 4. Kind stirbt bevor es 5 Jahre alt wird und die Menschen können sich als Gesellschaft deshalb nicht entwickeln. 

Hier soll Spirulina die Lösung sein. Ein einfach zu züchtendes Lebensmittel, das sehr gesund ist und vor Ort von den Einheimischen angebaut werden kann. D.h. einheimische Spirulinabauern können lernen, wie sie selber Spirulina züchten und damit ihre Familie und ihr Dorf ernähren. Wir sind davon überzeugt, dass Algenzucht für zwischen drei bis zehn Millionen Menschen auf der Welt eine praktikable und attraktive Lösung sein kann. Besonders für Ostafrika und Teile Asiens und Südamerikas. Generell überall da, wo die Temperaturen sehr heiß, ein basisches und versalzenes Wasser vorliegt, Hunger ein enormes Problem ist und die Menschen gerne Spirulina essen und anbauen wollen.




Wie sieht ein Spirulinagericht aus?

Spirulina kann man als Pulver zubereiten und dann in Suppen oder Eintöpfe mischen. Oder z.b. in Nordkenia auch zu Ugali (traditionelles Gericht in Turkana, Maismehl mit Wasser aufgekocht) zugeben. Eine andere Variante ist es, Spirulina frisch als Beilage zu essen. So hat es eine Konsistenz wie Spinat und kann wunderbar zu Fisch oder Fleisch gegessen werden. In Deutschland haben wir Spirulina in Smoothies getrunken, als Backzutat, in einem Spirulinakuchen, als Saucenzusatz, oder einfach in Wasser eingerührt. Grundsätzlich eignet sich das Pulver in kleineren Mengen sehr gut als Geschmacksverstärker bzw. als Nahrungsergänzung, während frisches Spirulina eine wunderbare Beilage abgibt.

 

Was ist Eure Vision, also welches langfristige Ziel erhofft Ihr Euch mit dem Projekt?

Unsere Vision ist es, mit Algenzucht Mangelernährung zu bekämpfen. Wir wollen möglichst alle Regionen auf der Welt, in denen akute Mangelernährung herrscht und Spirulina attraktiv und sinnvoll angebaut werden kann, den Menschen vor Ort Zugang zu diesem Superfood geben. Langfristig arbeiten wir darauf hin, ein weltweit tätiges Social Business zu werden, das vielen Menschen durch Algenzucht hilft, ein vernünftigs und gesundes Leben führen zu können.

Was sind die Hindernisse, die noch aus dem Weg geräumt werden müssen?

Wir sind noch sehr am Anfang und müssen nun zuerst beweisen, dass Spirulinazucht in Nordkenia ein sinnvolles und auf einem größeren Level ein wirtschaftliches tragfähiges Konzept ist. Hierfür müssen wir sicherstellen, dass wir den Menschen perfekt beibringen können, wie man Spirulina kultiviert, zubereitet und anbietet. Wirklich funktionierende Routinen und Systeme aufbauen und Anklang bei noch viel mehr Nordkenianern finden. 

Spirulina muss den Großteil der Menschen vor Ort überzeugen als geiles Lebensmittel, auf das sie Bock haben und das sie sich leisten können. Wo sie sogar selber gerne als Spirulinabauer aktiv werden wollen. Wenn wir das schaffen und zwar wirklich auf einem größeren Level und es über eine gewisse Zeit funktioniert und sich etabliert, dann können wir das Projekt in weitere hilfsbedürftige Regionen tragen. 

Hierbei gibt es viele Schwierigkeiten, die uns extern aufgetragen werden: eine miserable Infrastruktur (nur 30kmh auf der “Autobahn”, kein Netz, kein/kaum Internet), geringe Bildung, durch Mangelernährung verminderte kognitive Leistungsfähigkeit, kulturelle Eigenschaften, Lebensmittelunsicherheit, politische Unsicherheiten, Probleme im Zahlungsverkehr, Kriminalität, Misstrauen uvm. Wir konnte jedoch bisher bereits ein erstes erfolgreiches Pilotprojekt mit drei Zuchtbecken abschließen und arbeiten aktuell daran, die Anlagen zu optimieren und auszubauen. Von daher sind wir trotzallem optimistisch und sehr motiviert.

Könnte Euer Projekt eine ernsthafte Waffe gegen den weltweiten Hunger in den Entwicklungsländern werden oder funktioniert das Projekt nur in bestimmten Regionen?

Algenzucht kann unserer Einschätzung nach ein attraktives Thema für zwischen drei bis zehn Millionen Menschen weltweit sein. Besonders für Ostafrika und Teile Asiens und Südamerikas. Generell überall da, wo die Temperaturen sehr heiß, ein basisches und versalzenes Wasser vorliegt, Hunger ein enormes Problem ist und die Menschen gerne Spirulina essen und anbauen wollen.
 





Wie kann man Euch unterstützen?

Wir sind aktuell personell sehr gut aufgestellt und bräuchten v.a. finanzielle Unterstützung. Soweit können wir die ersten Farmen betreiben und vor Ort es den Menschen ermöglichen, Spirulina zu züchten und zu essen, jedoch mangelt es uns hinsichtlich einer Expansion an finanziellen Mitteln. 

Welche Projekte und Vorhaben liegen vor Dir? Könntest Du Dir vorstellen, auch hauptberuflich in Richtung Projektarbeit zu gehen?

Ich möchte mich auf Thriving Green fokussieren, da ich absolut davon überzeugt bin und ich es als unendlich sinnvoll erachte. Am liebsten würde ich Thriving Green über viele weitere Jahre machen und zu einem erfolgreichen Social Business aufbauen.
 

Und die obligatorische Frage zum Schluss: Was ist für Dich der True Spirit?

Der True Spirit ist für mich die faktische Umsetzung von großartigen und inspirierenden, aber schwierigen Visionen.



Weitere Informationen findet Ihr unter: http://www.thriving-green.com/helfen

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